Diversität & Kommunikation

Gender, Nichtbinarität, Kommunikation von Pronomen #

Dieser Text wurde von einer Gruppe von trans*, nichtbinären, nicht cis und wenigen cis Personen auf dem Server gemeinsam geschrieben. Wir würden uns sehr freuen, wenn du dir die Zeit für ihn nimmst. Gender wird in der Gesellschaft leider noch häufig als binär wahrgenommen und definiert, was mit der Realität nicht übereinstimmt. Die Geschlechtsidentität geht, ähnlich wie sexuelle Orientierungen, in ihrer Komplexität wesentlich darüber hinaus. Einige trans* Personen wurden z.B. kurz nach ihrer Geburt anhand äußerer Merkmale einem binären Geschlecht zugeordnet (z.B. männlich), haben jedoch in Wahrheit ein anderes Geschlecht (z.B. weiblich).

Andere Menschen haben Identitäten, die weder ausschließlich männlich noch ausschließlich weiblich sind, z.B. non-binary, gender-queer, neutrois, agender, demigirl, uvm. Wenn Leute sich mit einem dieser Begriffe identifizieren, so ist dies keine Einladung für Grundsatzdiskussionen – so wie es auch die Identifikation mit Labels aus dem asexuellen oder aromantischen Spektrum nicht ist. Wer nach etwas Recherche immer noch Fragen hat, ist aber selbstverständlich willkommen, diese in respektvoller Weise zu stellen.

In diesem Server kommunizieren viele Menschen ihr/ihre Pronomen offen. Dies hat den Vorteil, dass Pronomen nicht anhand des Namens/Bildes/der Stimme geraten werden müssen, was ja auch weder eindeutig möglich noch sinnvoll ist. Hierzu gibt es aktuell zwei Möglichkeiten: 1) das/die Pronomen in Klammern hinter den eigenen Namen schreiben (also den Nickname für diesen Discord-Server ändern) 2) im Channel #rollen-pronomen-gelbe die eigenen Pronomen anklicken, sie werden dann automatisch in den Rollen ergänzt (Rollen gelten nur für diesen Server, sie werden nicht in andere mitgenommen und nur dann angezeigt, wenn der Name angeklickt wird). Alle bei einer Person gelisteten Pronomen können und sollen auch verwendet werden. Sollte ihre Nutzung unklar sein, sind auch hier respektvolle Nachfragen willkommen. Vielen Dank fürs Durchlesen! 😊

Gendergerechte und genderneutrale Sprache #

Dieser Server ist ein fantastischer Ort, gendergerechte und -neutrale Sprache zu verwenden und wir möchten euch alle ermuntern, dies zu tun. Bei gendergerechter Sprache geht es meistens darum, aktiv feminine und maskuline Formen zu nennen, und sich somit nicht auf ein generisches Maskulin zu beschränken. Ein Beispiel dafür wäre “Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer!” Genderneutrale Sprache meint, alternative Formulierungen zu finden, die für alle Gender gültig sind. Ein Beispiel dafür wäre “Liebe Teilis!”. Die Problematik mit vielen “gendergerechten” Formulierungen ist, dass sie Binarität implizieren, wie zum Beispiel “Sportler/innen” oder “Sportlerinnen und Sportler” oder auch “SportlerInnen”. Dass hier nun weibliche und männlich Formen genannt werden, macht nichtbinäre Menschen aktiv unsichtbar.

Hier sind einige inklusivere Möglichkeiten aufgelistet:

  • Gendergap: Der Gendergap wie zum Beispiel in “Schüler_innen” oder “Schüler*innen” oder “Schüler:innen”. Hier wird gleichzeitig mit den explizit genannten weiblichen und männlichen Formen auch auf das Spektrum der Gender aufmerksam gemacht.
  • Endung -x oder -y oder -i: dies sind gender-unabhängige Endungen, Beispiele “Paketzustellx” oder “Teilnehmi”. Sie weisen darauf hin, dass das Gender der genannten Personengruppe keine Relevanz für die eigentliche Aussage hat.
  • Wildcard-Endung: Zum Beispiel Schül*, oder Briefträg*. Das Sternchen statt einer einzigen Endung meint, dass alle möglichen Suffixe mitgemeint sind.
  • Partizipien: die Lehrenden, die Lernenden, die Helfenden etc.
  • Person, Mensch, Tätigkeit: Zum Beispiel “der Mensch, der gerade zu uns herüber gesehen hat”, “die Person, die vor uns in der Schlange stand”, “lesende Personen” statt “Leser*innen”. Diese Formen ermöglichen es ebenfalls, vollkommen inklusiv zu schreiben, indem wirklich alle Personen, und nicht nur solche mit (bestimmten) Gendern gemeint sind. Daneben setzen diese Formulierungen den Menschen als Menschen selbst an die erste Stelle – ohne ihn über sein Gender zu definieren.

Wie kann ich auf Discord Sternchen und Unterstriche verwenden, ohne dass der Text auf einmal kursiv wird? Setze einfach das Symbol \ vor alle Sternchen bzw. Unterstriche (oder nutze den Doppelpunkt).

Neurodiversität und Kommunikation #

Der folgende Text wurde von neurodivergenten und neurotypischen Menschen unseres Servers gemeinsam geschrieben. 🌸

Mehr als ein Viertel der Menschen auf dem asexuellen Spektrum bezeichnet sich als neurodivergent (Bauer et al., 2018) [für das aromantische Spektrum haben wir noch keine Zahlen] und auch auf diesem Server gibt es viele neurodivergente Menschen. Falls du selbst neurodivergent bist: Du bist hier ganz sicher nicht die einzige Person. 🌻 Wir möchten mit diesem Text gerne erklären, worum es sich bei diesem Begriff handelt und Tipps zur Kommunikation zwischen neurodivergenten und neurotypischen Menschen geben.

Neurodiversität bezeichnet eine grundsätzlich verschiedenartige Funktionsweise des Gehirns, durch die menschliche Gemeinschaften bereichert werden. Der Begriff Neurodiversität wurde zunächst in der Autismus-Community verwendet, um den Unterschied zu neurotypischen Menschen (NTs, “Enten”) nicht in einer krankmachenden, sondern einer positiven Weise zu beschreiben. Die Bedeutung hat sich seitdem deutlich erweitert und der Begriff wird mittlerweile auch von Menschen mit AD(H)S, Hochsensibilität und vielen anderen verwendet. Ein alternativer Begriff ist auch Neuroqueerness, der den Pride, der mit der Identität einhergeht, deutlicher hervorhebt. neurodiversityloop

Neurodiversität ist weder heilbar noch heilungsbedürftig; sie ist Ausdruck gesunder Vielfalt und wird oft als wichtiger Bestandteil der eigenen Persönlichkeit wahrgenommen. Probleme entstehen dabei nicht durch die Neurodiversität selbst, sondern durch Unflexibilität der neurotypischen Umwelt. Vielleicht können die folgenden Empfehlungen, die jetzt zunächst hauptsächlich von neurodiversen Menschen aus der Autismus-Community kommen, zu einem verständnisvollen Miteinander beitragen:

  • Statt Inhalte “zwischen den Zeilen” oder als Subtexte zu verpacken, drücke sie lieber in einem wertschätzenden, klaren Text aus.
  • Emojis sind häufig nicht dazu geeignet, klare Botschaften zu übermitteln. Auch unzusammenhängend gebrauchte Abkürzungen wie lol, lmao, rofl etc. können manchmal eher Verwirrung stiften.
  • Sprachliche Figuren wie Metaphern, Sarkasmus und Ironie dürfen zum besseren Verständnis gerne als solche gekennzeichnet werden. Hierzu haben wir einen von Server-User*innen selbst gestalteten “Sarkasmus-Emoji” eingeführt: sarkasmus
  • Gesellschaftliche Konventionen und Tabus werden von autistischen Menschen oft nicht erkannt oder als willkürlich wahrgenommen. Hinweise darauf und Erklärungen dürfen gerne in logischer, nicht in dogmatischer Form erfolgen und werden dann meist gerne angenommen.

Gerne möchten wir dir hierzu noch den folgenden Gedanken mitgeben: Neurodiversität ist von außen oft unsichtbar oder wird als Defekt, als Schrulligkeit oder (absichtliches) Störverhalten missverstanden. Leider legen Menschen noch viel zu oft ihre eigene Gedanken- und Gefühlswelt als Schablone für alle anderen Personen an. Dies ignoriert die menschliche Vielfalt. Bitte hinterfrage dich daher auf eventuelle bewusste oder unbewusste Erwartungshaltungen. Wir möchten damit schließen, dass es überall neurodivergente Menschen gibt, nicht nur auf diesem Server. Alles, was du in diesem Text gelesen hast, ist auch für deinen Alltag im Real Life relevant. Weiterführende Links zum Thema Neurodiversität findest du auch in unseren Ressourcen.

Traumatisierung und Traumafolgestörungen #

Auf unserem Server gibt es Nutzer*innen, die Traumatisierendes erlebt haben, und Nutzer*innen, die zeitweise oder langfristig mit Traumafolgestörungen leben. Dieser Text wurde von Nutzer*innen mit persönlicher Expertise geschrieben.

Was ist ein Trauma, was sind mögliche Traumafolgen? #

Ein Trauma ist eine einmalige, wiederholte oder lang anhaltende starke psychische Erschütterung, in der ein Mensch eine sehr große Belastung, extremen Stress, Hilflosigkeit, Verzweiflung, und/oder Entsetzen erlebt. Eine solche Überbelastung der Psyche kann viele Folgen haben: wiederholtes inneres Erleben des Traumas in Flashbacks und/oder Alpträumen, Ängste, Depression, Gedächtnislücken, Schlafstörungen, Schmerzen, Persönlichkeitsveränderungen und viele weitere.

Was ist ein Trigger? #

Trigger können bestimmte Themen, Bilder, Aussagen oder Interaktionen sein, die bei Menschen mit Traumafolgestörung intensive Reaktionen auslösen, weil sie sie ins Traumaerleben zurückversetzen. Das kann für andere Menschen ohne Vorwissen zunächst irritierend sein, ergibt im Bezug zum Trauma aber Sinn. So ein Wiedererleben eines Traumas kann das Trauma verstärken. Es ist daher wichtig, dass wir sensibel miteinander umgehen.

Was bedeutet das für unseren Umgang miteinander? #

  • Grundsätzlich: Du kennst die Erfahrungen vieler Menschen auf diesem Server zunächst nicht. Menschen haben fast immer gute Gründe für ihre Reaktionen.
  • Vermeidung von Triggern: Respektiere die thematische Ausrichtung der verschiedenen Channels und benutze für sensible Themen Content Notes und die Spoilerfunktion oder Threads (Anleitung in Discordanleitungen).
  • No-Gos: Sprich niemals jemandem ab, ein Trauma erlebt oder etwas als traumatisierend erlebt zu haben. Setze niemanden unter Druck, dir über eine eigene Traumaerfahrung zu berichten. Außerdem: Nutze den Begriff “Trauma” bitte nicht für Banales, das mit Traumatisierung nichts zu tun hat.
  • Eigene Möglichkeiten: Wenn dich Gespräche oder Inhalte triggern, darfst du gerne direkt darauf aufmerksam machen. Die Menschen in dieser Community werden dies respektieren und entsprechend handeln (Themenwechsel, Hinzufügen von Content Warnings, Löschen eigener Postings o.ä.). Du kannst dich außerdem jederzeit aus Unterhaltungen herausnehmen. Du darfst gerne Feedback zu triggernden Diskussionen in #feedback-fragen-mitmachen schreiben (auch anonym möglich, s. Discordanleitungen).

Viele Sein #

Auf unserem Server gibt es Nutzer*innen, die sich in irgendeiner Form als mehrere Personen erleben. An diesem Text haben mehrere dieser Nutzer*innen mitgewirkt.

Die Dissoziative Identitätsstruktur #

Dass sich ein Mensch als Viele erlebt, wird heute auf eine Dissoziative Identitätsstruktur zurückgeführt. Als Ursache einer Dissoziativen Identitätsstruktur (DIS) gelten schwere, langanhaltende traumatisierende Erfahrungen in den Lebensjahren 0-7. Als Reaktion darauf, bzw. um sich selbst zu schützen, entstehen verschiedene Ich-Zustände, die mehr oder weniger voneinander abgetrennt sein können – bis hin zum Erleben von mehreren völlig abgetrennten Persönlichkeiten. Für diese abgetrennten Ich-Zustände gibt es je nach Erleben verschiedenste Bezeichnungen, z.B. Fragment, Person, Innenperson, Headmate, Anteil oder Zustand. Zusammenfassend für sie alle wird oft der Begriff “System” verwendet. Es gibt auch Menschen mit einer DIS, die diese auf keinen oder keinen bekannten traumatischen Ursprung zurückführen. Innenpersonen können unterschiedliche Wahrnehmungsweisen, Ausdrucksweisen, Erinnerungen, Erfahrungen, Haltungen, Gender und Pronomen haben. Der Wechsel zwischen ihnen wird als “Switch” bezeichnet. Für viele Menschen mit einer DIS ist die Bewältigung des Alltags eine große Herausforderung. Sich als Mensch mit DIS zu erkennen zu geben, halten viele Menschen mit DIS für ein Sicherheitsrisiko.

PluralKit #

Manchen ist es wichtig, dass die verschiedenen Personen mit eigenen Nicknames Nachrichten schreiben können. Dies wird auf diesem Server durch den Bot PluralKit ermöglicht. Über PluralKit können Nachrichten verschiedenen Innenpersonen zugeordnet werden, der Bot postet die Nachricht dann unter dem Nickname der Innenperson. Aus technischen Gründen wird neben dem Namen dann “Bot” angezeigt. Die Nachricht kommt jedoch immer direkt vom User*innenaccount. Die Verwendung des Bots ist in pluralkits-park erklärt.Achtung: Sie ist nicht anonym. Wie wir festgestellt haben, zeigt PluralKit häufig nicht das richtige Profil an, wenn auf den Namen geklickt wird. Was besser funktioniert, ist, mit einem ❓ auf die jeweilige Nachricht zu reagieren. Dann schickt euch PluralKit eine PM, die den Namen des Accounts und eine Liste seiner Rollen erhält.

Andere Nutzungsmöglichkeiten #

Der Nutzen von PluralKit beschränkt sich nicht auf DIS. Auch für Menschen mit anderen Traumafolgestörungen, für genderfluide und andere nichtbinäre Menschen und in vielen anderen Situationen kann PluralKit hilfreich sein. Es ist nicht möglich, auf DIS rückzuschließen, wenn jemensch PluralKit benutzt.

Alternativen #

Möglich ist auch die Verwendung eines “+” nach Pronomen (ich+, du+, …) Manche treten auch lieber als ein Account mit einem Nickname auf. Es ist auch möglich, manuell den Discord-User*innenname für den Server zu ändern oder in den Beitrag zu schreiben, wer gerade vorne ist.

Was bedeutet das für den Umgang miteinander? #

  • Es ist auf keinen Fall akzeptabel, Systeme zum Switchen aufzufordern oder zu drängen.
  • Frage nicht nach traumatischen Erlebnissen oder der Systemstruktur.
  • Wer sich als Person bezeichnet, sollte als Person respektiert werden.